Mit den Ohren sehen. Eine Klangreise mit einem Blinden

Für uns Schülerinnen und Schüler des Martin-Luther-Gymnasiums in Marburg ist die Begegnung mit blinden Menschen im Alltag normal, da wir in der Stadt ständig Blinden begegnen. Bei der Themensuche waren wir uns daher schnell einig, uns mit der Bedeutung von Klängen für blinde Menschen zu beschäftigen.

Tim und Julian begleiten Werner Wörder, ihren blinden Interview-Partner, auf einer Klangreise durch Marburg.

Werner Wörder ist bereits als Kind erblindet. Er erzählt, wie es für ihn war, blind zu werden und wie es ist, blind im Alltag zu leben. Für ihn hat Hören eine besondere Bedeutung: Was erfährt man über einen Menschen, wenn man seine Stimme hört? Klingen Räume unterschiedlich? Kann man Plätze und Orte in der Stadt am Klang unterscheiden? Gibt es schöne und hässliche Klänge? Wie klingen Alltagsgegenstände? Wie klingen die technischen Hilfen für Blinde, z.B. der sprechende Computer, das sprechende Navigationsgerät oder die sprechende Farb- oder Bilderkennung?

Wir Klang.Forscher! waren auf Spurensuche zu den Klängen, die für Herrn Wörder wichtig sind: Klänge von Räumen, Gegenständen, Plätzen in Marburg, sprechende Computer, Stimmen und Stimmungen, schöne und hässliche Klänge und Geräusche.

Hintergrund

In Marburg befindet sich das älteste Blindengymnasium Deutschlands. Auslöser für die Gründung der Blindenstudienanstalt (Blista) waren die vielen jungen Soldaten, die blind aus dem Ersten Weltkrieg zurückkehrten. Um ihnen eine höhere Bildung zu ermöglichen, wurde 1916 der Verein blinder Akademiker und die Deutsche Blindenstudienanstalt gegründet. Seitdem hat sich Marburg zur deutschen Blindenhauptstadt entwickelt.

In keiner anderen deutschen Stadt gibt es im Verhältnis zu Bevölkerung so viele blinde und sehbehinderte Menschen wie in Marburg. Nirgendwo sonst studieren so viele Sehgeschädigte wie an der Philipps-Universität. Marburg war die bundesweit erste Stadt, in der akustische Ampeln eingeführt wurden. Der barrierefreie Bahnhof, das größte Kaufhaus, das Sportstadion und das Sozialamt haben tastbare Grundrisspläne. Selbst in den Schwimmbädern sind Blindenleitsysteme selbstverständlich. Es gibt Blinden-Stadtpläne, Einkaufshilfen, sprechende Geldautomaten, Theater mit Audiodeskription und viele Restaurants mit Speisekarten in Punktschrift. Maßstabsgetreue Kupfermodelle zum Anfassen stehen auf dem Marktplatz, am Landgrafenschloss, vor der Elisabethkirche und am Platz der ehemaligen Synagoge.

Die Schule

Die Martin-Luther-Schule Marburg wurde im Jahr 1838 gegründet und wird von rund 1300 Schülerinnen und Schülern besucht. Schwerpunkte der MLS sind die Bereiche Mathematik/Naturwissenschaften, Fremdsprachen und Musik, die durch ein breit gefächertes zusätzliches Angebot an AGs und anderen außerschulischen Aktivitäten ergänzt werden. Die MLS Marburg ist Mitglied im Netzwerk „Mathematisch–naturwissenschaftliches Excellence-Center an Schulen e.V.“ und „Schulisches Zentrum für Naturwissenschaften und Begabtenförderung“ im Rahmen des Projekts „Leuchtturmschulen“ des Hessischen Kultusministeriums. Die Teilnahme an medienpädagogischen Projekten gehört ebenso seit vielen Jahren zum festen Schulprogramm.

Mit den Ohren sehen. Eine Klangreise mit einem Blinden

Am Projekt Klang.Forscher! nimmt die Klasse 7a im Rahmen des Deutschunterrichts teil.

Betreuender Lehrer: Michael Fink (Deutschlehrer)

Mediencoach: Rolf Müller (HR Mediencoach, Hörfunkjournalist)