Das Thema „Wie klingen Generationen?“ haben die Schülerinnen und Schüler selbst gewählt – und dabei ganz unterschiedliche Zugänge gefunden und vertont.

Die eigene Schule als historischer Ort des 20. Jahrhunderts

„Am Anfang dachten wir, das wird nur Unterhaltung, aber jetzt hat es sich gut eingespielt in die Klasse und jeder ist wirklich voll dabei.“ – Leopold.

Zehntklässler Leopold steht vor einem verstaubten Aktenschrank im Heizungskeller des Günther-Stöhr-Gymnasiums in Icking. In bildreicher Sprache versucht er die Eindrücke für seine späteren Hörer zu schildern. Denn der Aktenschrank ist ein Relikt aus vergangenen Tagen des Schulgebäudes. Zu Zeiten des Kalten Krieges war das imposante Schulgebäude Sitz der Stiftung „Wissenschaft und Politik“, die die Bonner Bundesregierung bis in die 1990er Jahre von Icking aus beraten hat. Nato-Generäle trafen sich hier, um historische Entscheidungen zu treffen. Heute erinnern an diese Zeit noch Tresorschränke und abhörsichere Konferenzräume im Keller der Schule.

Schuldirektor erzählt von der Vergangenheit

Der Schuldirektor erzählt von der wichtigen außenpolitischen Vergangenheit des Schulgebäudes als Standort der „Stiftung Wissenschaft und Politik“ zu Zeiten des Kalten Krieges.

Zusammen mit Coach Mischa Drautz vom Bayerischen Rundfunk haben sich die Klang.Forscher auf die Spur in die Vergangenheit ihrer Schule gemacht. Sie führten ein Interview mit einem Professor, der damals in Icking tätig war und versuchten, Klänge von alten Schließanlagen, knarzenden Schubladen und Tresortüren einzufangen.

Wie klingt Jugend heute? Wie klang sie früher?

„Solche Dinge sind an uns ja spurlos vorbeigegangen. Die ganzen Handys in der Stadt, die einfahrende S-Bahn, das fällt einem dann doch mehr auf.“ – Olivia

Eine zweite Gruppe aus der Klasse untersuchte das Thema „Klänge der Jugend“. Die Gruppe besuchte ein Altersheim in der nahen Umgebung und sprach mit den Bewohnern über ihre akustischen Jugenderinnerungen. In ihrem Beitrag arbeiten die jungen Klang.Forscher! mit eindrucksvollen Kontrasten. Ein Schüler berichtet von den Geräuschen seiner Spielekonsole, die ihn an seine frühe Jugend erinnern, gleich danach erinnert sich eine 90-jährige Bewohnerin des Altersheims an die Geräusche bei der Ernte, bei der sie als Kind immer mithelfen musste. „Solche Dinge sind an uns ja spurlos vorbeigegangen“, sagt Schülerin Olivia. Durch das Projekt geht sie jetzt mit offeneren Ohren durch die Welt: „Die ganzen Handys in der Stadt, die einfahrende S-Bahn, das fällt einem dann doch mehr auf.“

Bewohner eines Altersheims berichten

Bewohner eines Altersheims berichten den Klangforschern von ihren akustischen Jugenderinnerungen.

Schülerin Vivien und ihre Klang.Forscher!-Gruppe wollte herausfinden, wie sich die menschliche Stimme verändert – in Altersgruppen von null bis 99 Jahren. Sie montierten einen Text mit unzähligen Sprechern und Sprecherinnen aus verschiedensten Generationen. Von piepsenden Jungenstimmen über den Stimmbruch bis zu 80-jährigen Damen, die überraschenderweise immer noch wie junge Frauen klingen. „Alle haben sich total gefreut, dass wir das mit Ihnen gemacht haben. Für mich war es besonders schön mit so vielen verschiedenen Altersgruppen zu arbeiten“, beschreibt Vivien ihre Projekterfahrungen.

So entstehen die Klangstücke

Für alle waren die Klang.Forscher! eine bunte Abwechslung vom Schulalltag. „Klänge spielen auf den ersten Blick heute vielleicht gegenüber Bildern eine untergeordnete Rolle“, sagt Mischa Drautz, der als Hörspielregisseur beim BR arbeitet. „Im Laufe des Projekts merkt man aber dann doch, wie die Schüler immer mehr darauf hören, welche Klänge sie in ihrem Umfeld wahrnehmen. Nicht nur in der Schule, sondern auch im Alltag!“, so Mischa Drautz weiter.

Aufnehmen, Schneiden, Vertonen

Aufnehmen, Schneiden, Vertonen – alles machen die Klangforscher in Eigenregie.

Die Rohaufnahmen hat die Klasse selbst geschnitten und montiert. Damit am Ende runde Klangdokumente daraus werden, dürfen die Schülerinnen und Schüler zusammen mit Mischa Drautz in den Studios des Bayerischen Rundfunks dann, die noch fehlenden Sprachaufnahmen machen. Auch Musiklehrer Peter Schneider freut sich über diese professionelle Unterstützung: „Alleine ohne den Coach und das technische Wissen wäre es doch sehr schwierig, so etwas umzusetzen.“

Coach Mischa Drautz vom Bayerischen Rundfunk

Coach Mischa Drautz vom Bayerischen Rundfunk feilt mit den Klangforschern an der richtigen Beitrags-Dramaturgie.

Die Schule

Das private Günter-Stöhr-Gymnasium des St. Anna Schulverbunds in Icking bei München ist staatlich anerkannt. Es wurde vor fast 40 Jahren als eine der ersten Ganztagsschulen in Bayern gegründet. Das Gymnasium bietet einen naturwissenschaftlich-technologischen und einen sprachlichen Zweig. Die Schülerinnen und Schüler der Mittelstufe haben regelmäßige Studientage. Jeden Dienstag und Donnerstag werden alle Fächer in großen Zeiteinheiten von drei oder sechs Schulstunden unterrichtet. Dadurch entstehen Freiräume für handlungsorientiertes und vertieftes Lernen.

Am Projekt „Klang.Forscher!“ nimmt eine 10. Klasse im Rahmen der Studientage Musik teil.

Betreuender Lehrer: Peter Schneider (Musiklehrer)

Mediencoach: Mischa Drautz (Journalist für Print und Hörfunk)