Am 11.07.16, im Hessischen Rundfunk, Bertramstraße 8, 60320 Frankfurt

Liebe Klang.Forscher!

Am Anfang war der Klang. Und aus Klang ward Dank. Dank an unsere Partner: der Stiftung Zuhören und ChunDerksen. Dank an unsere Rundfunkpartner. Dank an die Mediencoaches, die den Schülern das notwendige Handwerk beigebracht haben und die Lehrer, die mit Begeisterung dabei waren und Freiräume ließen. Dank den Klang.Forschern! Ihr habt alle dazu beigetragen, dass aus Klang ein Hörstück, eine Collage, eine Komposition gewoben wurde. Und als kleines Warm-up für alle Klang.Forscher die Frage: wie wird aus Dank Klang (vulgo: wie klingt Dank)?

Wir hatten ein Motto: KLÄNGE! ZUHÖREN! ERLEBEN! Das sind im Grunde drei einfache Stichworte auf die ich kurz eingehen möchte:

KLÄNGE!

Was sind Klänge?

Aus dem Duden: Klang, der.

  • Etwas, was akustisch in reiner, dem Ohr wohlgefälliger Weise wahrgenommen wird und über eine kürzere Zeit hin, aber allmählich schwächer, andauert;
  • Ton, der durch das harmonische Zusammenklingen meist heller, reiner Töne entsteht.

Klang bedeutet aber auch

  • die bestimmte Eigenheit der Töne einer Stimme, eines Instruments und
  • die Folge harmonisch aneinandergereihter Töne, die eine Melodie ergeben.

Nicht immer klingen Melodien harmonisch, oft sind sie auch dissonant, nämlich dann, wenn Töne nicht richtig gespielt oder Töne nicht aufeinander abgestimmt werden. Dissonanzen findet man nicht nur in der Musik, sondern auch in der Gesellschaft. Die vergangenen Wochen und Monate haben es gezeigt. Der Ton ist rauer geworden in der Gesellschaft. Die Missverständnisse zwischen den Generationen und den Kulturen wachsen – Brexit und Flüchtlingskrise sind ein Beispiel. Aber: Dissonanzen gehören gehört und ausgehalten, weil nur dann eine konstruktive Auseinandersetzung stattfinden kann. Dissonanzen sind wichtig, weil man sich an ihnen reiben kann und Neues entsteht.

Wie wäre es daher mit einer kleinen Harmonielehre in Interpretation unseres Mottos? Um Klänge zu erkennen, muss man vor allem eines können:

ZUHÖREN!

Klänge sind nur da, wenn sie gehört werden. Für ein harmonisches Miteinander müssen wir aber nicht die gleichen Töne anschlagen. Immer dasselbe ist langweilig und ergibt keinen Sound, der zum Zuhören anregt. Wie gesagt: Dissonanzen und Anders sein sind nichts Schlimmes. Sie sind anregend, an Ihnen kann man sich reiben, Kreativtät, etwas Neues entstehen lassen. Allerdings müssen wir genau ZUHÖREN um unterschiedliche Töne zu erkennen und harmonisch zu Akkorden miteinander verbinden zu können.

Also: Zuhören schafft Erkenntnis. Zuhören braucht aber vor allem Neugier, ein Einlassen auf den Anderen. Neugier schafft Verständnis. Neugier öffnet. Neugier überwindet Grenzen. Neugier stellt Vorurteile in Frage. Neugier weitet Bewusstsein – für unsere Mitmenschen und dadurch für uns selbst.

Die Klang.Forscher! und ihre Hörgeschichten sind ein eindrucksvolles Beispiel von richtigem Hören und Erkennen.

Als Beispiel nenne ich „So klingt der Hafen!“. Die Aufgabe für unsere Klang.Forscher! war nicht, herauszufinden, ob und wie laut es im Hafen ist. Es ging vielmehr um Fragen und Verständnis hinter dem Klang. Woherkommen die Töne? Wer gibt den Ton an? Der Hafen mit seinem ganz eigenen, elementaren Klangschmelz erzählt Geschichten wie kaum ein zweiter Ort. Geschichten von Ankommen und Abschied , vom Verlieren und Finden, von Heimat und Ferne, von Begegnung und Entfremdung, von Enge und Weite, von Jugend und Alter. Es vermischen sich Kulturen, Sprachen, Geräusche. Alles ist ist verschieden und wird doch eins.

So wird aus Zuhören ein

ERLEBEN!

Erlebtes transportiert Gefühle und wir fühlen: die besten Geschichten entstehen, wenn dieses ERLEBEN in Freiheit, d.h. freiwillig, gemeinsam, aktiv und ohne beschränkende Grenzen passiert.

Vor zwei Jahren haben wir mit dem Klang.Forscher!-Programm begonnen. Am Anfang stand eine Bestandsaufnahme. Die Klang.Forscher! entdeckten Geräusche, die vom Aussterben bedroht sind. Sie fingen diese Geräusche für die Nachwelt ein. In diesem Jahr verließen die Klang.Forscher! das Museum und waren als Brückenbauer zwischen Generationen und Kulturen unterwegs, bei Menschen und deren Alltag.

Es wird in allen Varianten des Forschens deutlich, wie bunt Klänge sind. So bunt, dass man die Klangfarben gleichsam mit den Ohren sehen kann. Das gilt nicht nur für die schönste Form des Klanges, die Musik. Sondern Klänge sind untrennbar mit unserem Leben verbunden, wir begegnen ihnen auf Schritt und Tritt, manchmal auch unangenehm. Dann nennen wir das Lärm. Allerdings ist Klangempfinden durchaus eine subjektive Sache: des einen Musik ist des anderen Lärm. Auch das erfahren die Klang.Forscher!

Ihr als Klang.Forscher! ward mit Euren Ohren, vor allem aber mit dem Zwischenraum zwischen den Ohren, den man bekanntlich Hirn nennt, bei der Sache. Deshalb wollen wir das Programm gerne fortsetzen. Wir wollen auch weiterin Frei- und Klangräume schaffen. Wir wollen der Neugier Ihren Platz geben, für weitere Klänge, für weiteres Zuhören und für weiteres Erleben.

Zum Ausklang wünsche ich, dass meine Worte nicht sang- und klanglos verhallen, sondern Anklang finden. Wünsche ich, dass die Klang.Forscher! einen Beitrag leisten, dem Hörsinn den gebührenden Stellenwert zu verschaffen. Klänge begleiten uns als wichtiger Teil unseres Lebens. Wir müssen nur lernen, zu hören.